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Geschichtliches

Geschichte des Feuerwehrwesens in Brücken

Von Karsten Schultheiß

 

Das Jahr 1869 kann als Geburtsstunde eines geordneten Feuerwehrwesens in der Gemeinde Brücken betrachtet werden. Bis dahin waren alle Männer bis auf die Greise aufgerufen, bei Bränden sofort zu Hilfe zu eilen. Sie schöpften mit in den einzelnen Häusern deponierten Blecheimern Wasser aus den Brunnen und brachten es zur Brandstelle.

Ein Vertrag über den Kauf einer Handspritze schloss der damalige Schöffe Heylmann am 16.September 1869 mit der Firma Metz aus Heidelberg ab. Die langwierige Herstellung des Geräts, die Erkrankung von Metz´ Maler und Lackierer und der Ausbruch des Krieges gegen Frankreich sorgten dafür, dass die Auslieferung mehr als ein Jahr auf sich warten ließ. Am 26.Oktober 1870 war es dann endlich soweit: Ein Pferdegespann brachte die Spritze nach Brücken und in Gegenwart des Monteurs der Firma wurde sogleich die erste Übung abgehalten. Die Zeit des Wartens nutzten die Brückener dazu, am Giebel der Schule ein Spritzenhaus zu errichten. Bis 1877 verblieben die Löscheimer aber in den Häusern. Am 3.Mai jenes Jahres schrieb der Birkenfelder Bürgermeister an die Gemeinde, dass er „es aus mancherlei Gründen für rätlich und vorteilhaft halte, dass die Feuereimer nicht wie bisher in den Wohnungen der einzelnen Hausbewohner, sondern in dem Spritzenhaus zusammen aufbewahrt werden“. Er ordnete an, die Feuereimer einzusammeln, ins Spritzenhaus zu bringen und dort „zehn bis fünfzehn zusammen in einer Stange oder einem festen Strick zu bringen und so abteilungsweise in dem Spritzenhaus zusammen mit der Stange respektive Stricken aufzuhängen“. Diese Einrichtung erleichterte auch den Transport, indem jeweils zwei Männer die Gestänge trugen.

Die Bedienung der der für damalige Zeit sehr modernen Handspritze erforderte einiges an Organisation. So befand der Gemeinderat ab 1889 alle vier Jahre über die Zusammensetzung der Feuerwehr. Dem Spritzen und Wenderohrmeister August Wendel unterstanden Mannschaften „zur Rettung von Effecten und Thieren aus den in Brand und Feuergefahr stehenden Gebäuden“, zum Dienst an den Feuerhaken und zur Herbeischaffung des Wassers. Im Jahr 1901 wurde zusätzlich 24 Pompiers und Fackelträger bestimmt.

Der erste Großbrand, den die Brückener Wehrleute zu bekämpfen hatten, brach am 19.Juli 1907 morgens um vier Uhr in der ehemaligen Senfmühle zwischen den heutigen Gasthäusern Bruch und Schultheiß aus. Trotz größter Anstrengungen wurde die Fabrik völlig zerstört. Allerdings konnte ein Übergreifen des Feuers auf die angrenzenden Gebäude verhindert werden.

Im Rahmen der Reorganisation der Feuerwehr im Jahre 1913 löste Julius Georg den 24 Jahre amtierenden August Wendel als Hauptmann ab und die Wehrleute, insgesamt waren es 58, wurden in vier Gruppen eingeteilt: Schlauchführer, Hydranten und Standrohrwärter, Absperrungsmannschaften sowie Rettungsmannschaften.

1922 verfügte die Brückener Wehr über Wasserleitung mit Hydranten, eine Feuerspritze und 80 Meter Schlauch. Ein Jahr später übernahm Karl Mayer die Führung der Wehr; außerdem wurden Mannschaften zum Dienst an der Feuerspritze gebildet.

Unter der Leitung des seit 1927 amtierenden Eugen Koch wurde die Feuerwehr so oft wie nie zuvor alarmiert: Innerhalb von acht Monaten gab es vier größere Brände. So brannte das Destillierhaus der chemischen Fabrik und das von drei Familien bewohnte Anwesen der Familie Glöckner nieder. 1930 fielen Wohnhaus, Scheune und Stall von Gastwirt Herder dem Feuer zum Opfer.

Dass die Brandbekämpfung damals viel arbeitsaufwendiger als heute war, lässt sich an der Stärke von 85 Mitgliedern im Jahre 1931 ablesen. Wer bei Übungen ohne Entschuldigung fehlte, musste eine Mark Strafe berappen.

Ständig überwachte die Großherzogliche Regierung in Oldenburg das Feuerwehrwesen: Unter den Augen von Landesbrandmeister Heinrich Kirsch fand in Brücken jedes Jahr eine Feuerschau statt. In seiner Niederschrift vom 31.August 1931 vermerkte er, das Spritzenhaus sei sehr dumpf gewesen und fünf Schläuche hätten sich als unbrauchbar erwiesen. Weil das Material von lediglich 50 Metern bei weitem nicht ausreichte, mussten zehn weitere Schläuche von jeweils zehn Metern angeschafft werden. Von diesem Zeitpunkt an verliefen alle jährlichen Feuerschauen in Brücken ohne Beanstandungen. Die von der Regierung aufgrund des hohen Ausbildungstandes angeregte Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr scheiterte am 17.Februar 1933 und am 23.Mai 1935 am Veto des Gemeinderates, der aus finanziellen Gründen Bedenken hatte.

Mit dem 14.November 1935 kam ein Wechsel in der Führung. Gleichzeitig erhielt die Spritzenstellung bei der gemeindlichen Feuerwehr einen neuen Titel: Auf den Feuerwehrhauptmann folgt der Spritzenmeister. Diese Position nahm der Klempner August Heylmann ein. Wenig später wurden alle Abteilungen mit Ausnahme der Pumpenmannschaft aufgelöst.

Im „Gesetz über das Feuerlöschwesen“ vom 23.November 1938 wurde die Schaffung einer nach dem Führungsprinzip organisierten, einheitlich gestalteten und von geschulten Kräften geführten Feuerwehr angeordnet. Außerdem musste in denjenigen Gemeinden, wo keine freiwillige Feuerwehr bestand, also auch in Brücken, eine Pflichtfeuerwehr aufgestellt werden. Jeder männliche Einwohner im Alter von 17 bis 65 Jahren, der die deutsche Staatsangehörigkeit besaß, war zum Dienst in der Feuerwehr verpflichtet; 29 Personen  wurden dem Birkenfelder Amtsbürgermeister gemeldet. Ihnen wurde ab Frühjahr 1940 zur Pflicht gemacht, alle 14 Tage eine Übung abzuhalten. Ein Jahr später trat der feuertechnische Aufsichtsbeamte des Landes dafür ein, dass für Brücken eine Kleinkraftspritze mit einer Minutenleistung von 200 Litern angeschafft werden solle. Wegen Lieferschwierigkeiten konnte Brücken im Gegensatz zu Hoppstädten und Siesbach jedoch nicht berücksichtigt werden. Allerdings verfügte das Degussa-Werk über eine Motorspritze. Im Mai 1941 wurde ein Streifen- und Suchdienst für Luftschutzmaßnahmen beim Abwurf von Bomben eingerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam auch in Brücken das Feuerwehrwesen für kurze Zeit zum Erliegen. Am 19.Juni 1945 beschloss die Landrätekonferenz, baldigst Feuerwehren aufzubauen und den einzelnen Bürgermeistern zu unterstellen; die bisherigen Führungskräfte durften ihre Ämter nicht mehr ausüben. Am 13.Februar 1946 ernannte Bürgermeister Schöpfer den Landwirt Ernst Ruppenthal zum Wehrführer. Zur Brandbekämpfung in der am 1.Januar 1946 812 Einwohner zählenden Gemeinden waren 25 Wehrleute im Einsatz. Ein Jahr später wurde das Anwesen des Landwirts und Schmiedemeisters Karl Wendel von einem verheerenden Brand heimgesucht, der auf Stall und Scheune begrenzt werden konnte, die vollends ausbrannten.

Am 20.März 1947 verfügte die 19 Mann starke Wehr über eine Handdruckspritze, drei Standrohre, drei Strahlrohre, zwei Anstelleitern ohne Stutzen, zwölf Blechfeuereimer, zwei Feuerhaken, ein Signalhorn und einen Verteiler.

Aus heutiger Sicht interessant erscheint eine Mitteilung des Landrates vom 25.August 1947, wonach bei einem größeren Einsatz der Feuerwehr zwei Sondermahlzeiten auszugeben waren, und zwar pro Kopf und Mahlzeit 50 Gramm Brot, 40 Gramm Fleisch, 30 Gramm Teigwaren, 10 Gramm Käse und 6 Gramm Butter. Unter einem größeren Einsatz war eine Löscharbeit von mindestens drei Stunden Dauer zu verstehen.

Im Zuge der Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Feuerwehr wurde mit Anordnung vom 8.Dezember 1948 Wehrführer Ernst Ruppenthal seines Amtes enthoben. Als Nachfolger bestimmte Bürgermeister Schöpfer am 5.Januar 1949 Adolf Bruch. Bereits sechs Monate später gab es erneut einen Wechsel: Rudolf Heylmann wurde Wehrführer und sollte es fast zwei Jahrzehnte bleiben. Während dieser Zeit assistierten ihm zunächst Otto Fettig, dann Karl Helm und schließlich Horst Schwarz. Ein Großeinsatz hatte die Feuerwehr am 15.September 1950, aber es war nichts mehr zu retten: Nach Blitzeinschlag brannte die Scherersmühle bis auf die Grundmauern nieder. Eine einschneidende Neuerung war der Kauf einer Tragkraftspritze vom Typ TS 4 am 19.April 1951; damit hatte die 75 Jahre alte Handspritze ausgedient. Drei Wochen später erwarb man den zugehörigen Anhänger. Schon 1958 kam die TS 8 hinzu.

Ein Meilenstein in der Geschichte des Brückener Feuerwehrwesens ist der 9.Oktober 1958: An diesem Tag wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Alle anwesenden Wehrleute verpflichteten sich, auf die Dauer von mindestens fünf Jahren einen freiwilligen Feuerwehrdienst zu leisten. Sie versprachen, ihre Pflichten gewissenhaft zu erfüllen und erklärten sich bereit, „bei Brandgefahr und anderen Notständen mit allen Kräften ihren Mitmenschen zu helfen und Hab und Gut vor Schäden und Vernichtung zu schützen“. Die 25 Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr waren: Wehrführer Rudolf Heylmann, Erwin Alt, Adolf Bruch, Otto Bruch, Horst Ding, Karl-Otto Engel, Dieter Georg, Karl Helm, Paul Helm, Helmut Heylmann, Kurt Heylmann, Walter Heylmann, Manfred Mattes, Kurt Mayer, Horst Pilger, Lothar Pilger, Hans-Kurt Piro, Heinrich Piro, Paul Platte junior, Bodo Saar, Herbert Schöpfer, Walter Schultheiß, Heinz Schunck, Otto Schwarz und Rudolf Wiesen.

Ende 1963 wurde die Feuerwehr Brücken mit dem langesehnten Kleinlöschfahrzeug TSF ausgestattet. Bald merkte man, dass sich das alte Spritzenhaus nicht zur Unterstellung des teuren Gefährts eignete. Deshalb wurde der Birkenfelder Architekt Gethmann damit beauftragt, ein Feuerwehrhaus zu planen, das in den Jahren 1964 und 1965 mit einem Gesamtaufwand von rund 33 000 Mark erstellt wurde. 1978 wurden Toilettenanlagen angebaut, die fast 18 000 Mark kosteten. Anstelle des ausgeschiedenen Rudolf Heylmann wurde am 17.Dezember 1968 Horst Schwarz an die Spitze der Wehr gewählt; sein Stellvertreter wurde Walter Schultheiß. Anfang der 70er Jahre war die Brückener Feuerwehr zweimal bei Bränden im Einsatz, die nachhaltiger Erinnerung blieben: der Brand des Hauses Franz am 17.Mai 1971 und der des landwirtschaftlichen Anwesens Arend in Traunen am 7.Oktober 1972.

Im Januar 1976 wurde Heinz Krummenauer zum stellvertretenden Wehrführer bestellt. Nachdem er die erforderlichen Ausbildungen durchlaufen hatte, löste er am 8.Januar 1983 Horst Schwarz als Wehrführer ab. Stellvertretender Wehrführer wurde Dieter Schaaf, der seit 1984 außerdem als Atemschutzgerätewart fungiert.

Als das Feuerwehrfahrzeug auseinanderzubrechen drohte und kaum noch Fahrtüchtig war, wurden die Rufe nach einem neuen immer lauter. Aber erst im September 1983 traf der gewünschte Ford Transit mit Sprechfunkanlage und vier Pressluftatemgeräten ein.

Gleich drei Novitäten brachte das das Jahr 1985: Die Wehr veranstaltete einen „Tag der offenen Tür“, nahm an einem Wettkampf auf Verbandsgemeinde-Ebene teil und legte das Leistungsabzeichen in Bronze ab. Im darauffolgenden Jahr wurde die Funkalarmierung eingeführt.

Ein Höhepunkt in der Geschichte der Brückener Feuerwehr war die Ausrichtung des Verbandsgemeinde- Feuerwehrtages mit großer Schauübung im Rahmen der Glockenkirmes 1987. In jenem Jahr wurden die Wehrleute zweimal stark gefordert: bei dem vernichtenden Feuer im Holzverarbeitungsbetrieb Frank und bei zehn Alarmierungen während des Hochwassers im Oktober, das ausgerechnet in die Erneuerung der Brücken über Traunbach und Götzenbach platzte und Teile der Gemeinde vorübergehend von der Außenwelt abschnitt.

Neben den zwölf monatlichen Übungen, den vier zusätzlichen Trainingseinheiten für die acht Atemschutzgeräteträger und der traditionellen Gemeinschaftsübung mit den Wehren Abentheuer, Achtelsbach und Meckenbach hatte in den letzten Jahren die Nachwuchswerbung einen hohen Stellenwert: Neben 21 Männern gehörten zwölf Jugendliche der Wehr an; die 1990 gegründete Jugendfeuerwehr, im ersten Jahr von Joachim Schöpfer und danach von Heinz Krummenauer geleitet, zeigte vielversprechende Ansätze. Sie sollen auch in den Genuss des Schulungsraums kommen, der aus der früheren Garage entstand. Aufgrund der Platznot im Gerätehaus konzipierte Ernst Schilling, in dessen Händen auch die Bauleitung lag, 1990 einen Anbau, eine 8,65 Meter und 5,50 Meter breite Garage nach gültiger Feuerwehrnorm. Für den 1994 und 1995 verwirklichten An- und Umbau wurden Haushaltsmittel in Höhe von 72 000 Mark bereitgestellt. Hierzu gewährte die Provinzial-Feuerversicherungsanstalt eine Zuwendung von 23 000 Mark, die Verbandsgemeinde beteiligte sich mit 18 000 Mark. Um die verbleibenden Kosten zu verringern, führten die Wehrmänner fast alle Arbeiten vom Rohbau bis zur Gestaltung des Schulungsraumes in Eigenleistung aus.

1998 stand der nächste Führungswechsel auf der Tagesordnung, Heinz Krummenauer wurde von Dieter Schaaf als Wehrführer abgelöst, Frank Hartmann wurde sein Stellvertreter. Im Jahr 2004 übernahm Patric Dupont das Amt des Jugendwarts, seit 2008 ist Tom Brenner sein Stellvertreter. Frank Mayer fungiert seit 2005 als Gerätewart.

Frank Hartmann stellte sein Amt im Dezember 2009 aus persönlichen Gründen zur Verfügung. Bei der im April 2010 stattfindenden Wahl wurde Frank Mayer mit der Mehrzahl der Stimmen zum neuen Stellvertretenden Wehrführer gewählt.

Im Dezember 2010 stand der nächste Wechsel im Führungsdienst an. Patrick Dupont legte zum 31.12.2010 sein Amt als Jugendwart nieder. Am 05.02.2011 wurde Tom Brenner von den Jugendlichen zu ihrem Jugendwart und Jens Heidrich zum Stellvertretenden Jugendwart gewählt.